Erkenntnisse, die zum Nachdenken anregen

Im Bereich der Neurodidaktik spielt vor allem die Zufriedenheit der Lernenden eine große Rolle.

Im Bereich der Lernstile thematisiere ich in meinem Buch auch die Sozialformen. Studien zeigen, dass die meisten Lernenden sich im lehrerzentrierten Unterricht am „sichersten“ fühlen und auch das Gefühl haben, dort am besten lernen zu können.

Kooperative Sozialformen hingegen werden als angenehme Abwechslung verstanden, die aber nicht überhand nehmen dürfen. Eine Befragung meiner eigenen Studierenden (42 Teilnehmende) hat dies bestätigt. Lediglich 10 Prozent favorisierten einen durchgängig durch kooperative Lernformen gestalteten Unterricht.

Kooperative Lernformen stoßen dann auf Kritik, wenn ein feedback durch die Lehrkraft fehlt. Viele haben Sorge, dass sie von den Mitlernenden nicht ausreichend viel „mitnehmen“ können.

In 2014. Neue methodische Ansätze im DaF-Unterricht. 2. Band. Mainz: Salonlöwe-Verlag Mainz. Edition Wissenschaft skizziert Sonja Lux lernaktivierende Methoden des Fremdsprachenunterrichts für Erwachsene. Dabei geht sie sowohl auf die Definition von Lerneraktivierung, als auch die notwendigen Kompetenzen der Lehrkräfte ein. Die Grundprinzipien werden anhand von eingängigen Beispielen erläutert.

12 Antworten zu Erkenntnisse, die zum Nachdenken anregen

  1. Jasura Kurahmedova schreibt:

    Ich bevorzuge eine Mischung der Sozialformen beim Lernen.

  2. Carolina schreibt:

    Meiner Erfahrung nach vermittelt man Grammatik tatsächlich am besten lehrerzentriert. SPRACHE kommt allerdings von SPRECHEN und – wie jede Fertigkeit – übt man auch diese nunmal am besten durch machen. Sprechen in Gruppen, im Plenum, in Partnerarbeit, durch Spiele, Diskussionen, Präsentationen. Hauptsache, es wird nicht langweilig!

    • Genau 🙂 Nach ca. 20 Minuten sinkt die Aufmerksamkeit rapide, wenn keine Abwechslung erfolgt. Sozialformenwechsel ist da eine Möglichkeit. Die Studierenden (also die 90%) haben allerdings angemerkt, dass sie Abwechslung auch dadurch erhalten, dass sie viele Fragen stellen und im Plenum diskutieren und daher keine kooperativen Arbeitsformen benötigen. …

      • Carolina schreibt:

        Schön wäre es, wenn meine Studierenden das auch so sehen würden. Aber es ist immer ein Kraftakt, sie zu mobilisieren. Wenn ich sie nicht „austrickse“, sitzen sie da und würden am liebsten nur abschreiben, was abgeschrieben werden kann, lesen, was gelesen werden muss und allerhöchstens mal etwas vorlesen. Im Anfängerunterricht ist es einfacher. Einer hat sich mal beschwert, dass man bei mir Muskelkater bekommt 😉 Die fortgeschrittenere Gruppe ist da wesentlich träger… Dafür plappern sie in meiner DoktorandInnen- und Mitarbeitergruppe munter drauflos, wenn ich nur irgendeinen Redeimpuls gebe und es wurde mir schon gesagt, dass sie keine Angst mehr vorm Sprechen haben. Diese Stunden ziehen sich auch für mich nie, obwohl ich dort eigentlich kaum Abwechslung in den Sozialformen habe. Man muss sich einfach immer an die Gegebenheiten in der Gruppe anpassen – manchmal läuft es von selbst und manchmal muss man den Leuten immer wieder „in den Hintern treten“ 😉

  3. Takayo schreibt:

    Als Lernende mochte ich Gruppenarbeit oder Paararbeit im Unterricht an der deutschen Uni. nicht, da in meisten Faellen ich mich vom Partner verachtet fuehlte, da mein Deutsch natuerlich schlechter als die deutsche Studenten ist. Z.B. im Englisch war ich im Grammatik besser als die meisten Deutsche, trotzdem haben die deutsche Studenten mich nicht geglaubt. Erst nach der Erklaerung vom Lehrer haben sie zugestimmt, dass ich recht hatte.
    Aber in Japan im Deutschunterricht mochte ich die Partnerarbeit sehr, weil ich immer die „bessere“ war.
    Nun als Lehrende merke ich, dass meiste Leute Grammatikerklaerungen im Plenum haben wollen. Wir versuchen in Bonn Autonomenlernen und Induktivlernen im Unterricht, aber beliebt sind die nicht. Aber meiner Erfahrung nach kann man so bersser lernen. Der Lehrende muss am Anfang immer sehr gut den Sinn dieser Lernform erkleren.

    • Carolina und Takayo 🙂 Das scheint zu bestätigen, dass viele Lernende lieber „traditionell“ lernen möchten, auch wenn „Aktivierung“ größeren Lernerfolg verspricht. Sprich: es lohnt, den Sinn der Aktivitäten zu erläutern.
      Ferner spielt wohl gerade die Erfahrung, die man zu Beginn eines Kurses mit dem Lehrenden hatte, einen großen Einfluss zu haben: Von Anfang an „Aktivität“ ist leichter als ein späterer Wechsel dazu. Lehrende, die einen Kurs übernehmen, haben es oft sehr schwer.
      @Takayo: das hieße, dass der „stärkere“ Lernende mehr von Partnerarbeit profitiert?

      • Takayo schreibt:

        Ich habe personlich so lieber gehabt, aber dies zu verallgemeinen meinte ich nicht.
        Aber wenn man zu schwach ist, macht man in meinsten Faellen nicht so gerne die Gruppenarbeit, denke ich (oder habe es in meinem Unterricht bemerkt).

  4. Jürgen Bartl schreibt:

    Der Ansatz Neurodidaktit ist für mich neu, allerdings komme ich auch nicht aus dem pädagogischen Bereich. Aber aus meiner Zeit an der Hochschule, sowie meiner aktuellen Tätigkeit als Betriebsleiter habe ich folgende Meinung. Solange das Lernen, unabhängig vom Thema (Linguistik oder Naturwissenschaften) keinen unmittelbaren Bezug zur zukünftigen Anwendung im Beruf oder im Alltag findet, setzt bei den Beteiligten bzw. Lernenden eine rasche Ermüdung oder besser gesagt Langeweile ein, da sie häufig den Ansatz für die berufliche Anwendung bzw. den hieraus resultierend Sinn vermissen.

    • Genau 🙂 Hier zeigt die Neurodidaktik, dass Informationen gar nicht erst ins sog. „Kurzzeitgedächtnis“ gelangen, wenn das „Limbische System“ nicht angesprochen wird. Und dieses sucht nach Relevanz … und motivierte VermittlerInnen.

  5. Dr. Antonia Traugott-Hajdu schreibt:

    Habe leider erfahren, dass ich Ihren Vortrag in Salzburg verpasst habe. Bin einfach nur überglücklich, dass die Tendenz steigt, endlich auf Bedürfnisse der Lernenden zu gucken, anstatt Convinience-food über diese zu schütten. (Also vorgekochtes, lange halbfertiges Zeug und Trainer tun etwas Salz dazu).
    Meine bevorzugte Sozialform? Ich achte auf die Leute, die momentane Chemie. Entscheide dann…gegebenenfalls, je nachdem, wie sich das Ausgangsmaterial in DAF/Daz oder Alphabetisierung eignet. Beobachte, wann das Bedürfnis ist sich mitzuteilen, oder alleine zu tüfteln, sich dem Lehrer zuzuwenden oder zu verinnerlichen. Spiegelneuronen, Schwarmintelligenz- eine gute Atmosphäre oder auch von mir gemachte Vorschläge und Interventionen regeln das schon. Kurzum, meine Sozialformen richten sich nach Gegebenem. Jede Stunde hat auch eigenen Rhythmus, der sich im Plenum ausbreitet und am Schluss vom Plenum zurückkehrt… Jede Sozialform hat Vor- und Nachteile. Autorität und Leitbild sind Ok., wenn sie authentisch mit Persönlichkeit des Lehrenden vereinbart sind.
    Darf ich mich hier auch kurz vorstellen? Ich bin seit 2002 Trainerin in der Erwachsenenbildung und hab grad was über Alphabetisierung geschrieben. Man kann mich auf Xing finden… Bin interessiert an Gehirnforschung und asiatisch/ buddhistisch geprägte Psychologie/Philosophie. Meine Ausbildung: Kunsthistorikerin und Pädagogin + Mulltikulti-Hintergrund

    • Hallo und guten Abend 🙂 Dann hoffe ich sehr, dass wir uns spätestens kommendes Jahr in Österreich kennen lernen werden. Wie gut, dass es noch mehr Menschen gibt, die ihren Fokus auf den Lernenden haben – genau das ist die Quintessenz der seriösen Neurodidaktik. Spannend ist hier der Ansatz des „reading“ (Lesen der Bedürfnisse der Lernenden) und „flexing“ (Eingehen auf deren Bedürfnisse durch ein großes Methoden-Inventar).

      🙂 Marion Grein

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s