Neurodidaktik: Sinn oder Unsinn?

Kein Wunder, dass zahlreiche Pädagogen und Wissenschaftler der „Neurodidaktik“ sehr skeptisch gegenüberstehen! Neurodidaktik-Weiterbildungen boomen. Liest man zahlreiche Ausschreibungen, so kann man nur mit Kopfschütteln feststellen, dass es sich keinesfalls um Umsetzung der Erkenntnisse der Neurodidaktik handeln kann. Diese zeigt gerade, dass Menschen sich in derart vielen Variablen unterscheiden, dass es DIE richtige Methode „Lernstoff zu präsentieren“ nicht gibt. Sie zeigt, dass bei manchen Menschen eine Visualisierung der Grammatik lernförderlich ist, bei anderen aber nun gerade nicht. Handlungsorientierung ist speicherintensiver, aber Lernbiografie und Lernstile beeinflussen den Lernerfolg weitaus mehr. Eine herkömmliche „langweilige“ pattern-drill-Übung kann den einen Lernenden mehr unterstützen als ein mind-map oder eine Partner-Aktivität.

Die falschen Versprechungen in Seminarauschreibungen führen derart zu einer zunehmend ablehnenden Haltung gegenüber der Neurodidaktik. Neurodidaktik ist keinesfalls gleichzusetzen mit „konstruktivistischen“ Lerntheorien! Die Neurodidaktik fordert empathische Lehrende, die sich der notwendigen Methodenvielfalt bewusst sind und diese umsetzen!

4 Antworten zu Neurodidaktik: Sinn oder Unsinn?

  1. Gertrud Schrenk schreibt:

    Toll! Endlich sagt mal jemand vom Fach, dass für manche sogar Pauken manchmal die beste Wahl ist! Ich musste das auch erst lernen…

  2. Tom schreibt:

    Ich habe mich schon immer gefragt, ob es eine universale Lern-Lösung für alle gibt. Jetzt weiß ich, dass Pauken auch klappen kann. Manche Bücher von Birkenbihl behaupten etwas anderes.

  3. Viele, die eine Methode gefunden haben, die bei ihnen selbst funktioniert, denken, dass sie universell einsetzbar ist. Leider wird die einzigen wahre „Methode“ wohl ein Methodenmix und vor allem Empathie des Lehrenden bleiben!

  4. Rüdiger Bub schreibt:

    Da unsere „Lernideologie“ so knapp jede Generation einmal wechselt, bleiben jedesmal andere Typen von Lernenden auf der Strecke. Das Hauptproblem liegt meiner Ansicht nach darin, bestimmte Methoden turnusmäßig durch andere, jedesmal natürlich „viel bessere“, zu ersetzen. Statt einfach das Repertoire zu erweitern. Ich erlebe oft, dass sich die deutlichsten Lernfortschritte gerade dann einstellen, wenn man sich und den Lernenden die aktuell gerade verpönten Lernmethoden als „Ergänzungsprogramm“ anbietet. So sind solche Dinge wie Abschreiben einer Lektion, ein Diktat, das Auswendiglernen von Dialogen oder auch Texten usw., über die viele wegen angeblicher Rückständigkeit die Nase rümpfen, unter vielen Lernenden „heimlich beliebt“. Auf manche scheinen sie auch gerade deshalb eine Anziehungskraft auszuüben, weil sie ein bisschen nach „Widerstand gegen den Mainstream“ schmecken…

    Und Empathie ist der eigentliche Schlüssel! Die „Artenvielfalt“ der Lernenden ist unüberschaubar und jeder bewegt sich seinem Wesen nach: zu Lande, zu Wasser oder durch die Luft. Selbst unterrichte ich schon fast mein ganzes Leben, vor allem Sprachen, im Einzel- und Gruppenunterricht, in allen Schularten und in der Erwachsenenbildung. Und ganz enorm wichtig scheint es mir, dabei immer selbst Lernender zu bleiben.

    Ich finde, man sollte z.B. im Sprachenbereich alle paar Jahre mal selbst eine ganz neue Sprache lernen, damit das Mitfühlen mit den Anfängern nicht verblasst. Das sehe ich als hilfreicher als alles andere an, auch wenn es natürlich nicht an der Fachkompetenz mangeln darf. Um mit der Trumpfkarte Empathie einen echten Stich zu machen, sollte man natürlich auch ein gutes Blatt an Sachwissen auf der Hand haben. Wer nicht aus dem Vollen schöpfen kann, neigt gerne dazu, sich an Details und Vorgegebenes zu klammern. Und führt eine solche Verkrampfung der Lehrenden nicht am Ende zu einer Lähmung der Lernenden?

    Das heißt aber meiner Meinung nach in der Konsequenz auch, dass es möglicherweise keine allzu gute Idee ist, Menschen direkt nach der Schule Lehrberufe studieren zu lassen, um danach andere Menschen zu unterrichten. Wenn man so nie die Schule-Uni-Schule-Käseglocke verlässt, verengt sich da nicht die Empathie leicht auf diejenigen, die etwas lernen um es zu lehren? Und bleiben dann nicht oft genug jene auf der Strecke, die etwas lernen, um es im Leben zu gebrauchen?

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